Landeskirchliches Archiv Bielefeld
Materialsammlung zum Thema "Heimat und Fremde"

Ausländerarbeit in Eving
Im Dortmunder Stadtteil Eving ging 1978 aus einer Initiative zur Erhaltung der Zechensiedlung „Alte Kolonie“ der „Verein für internationale Zusammenarbeit“ hervor. Er setzte es sich zum Ziel, eine Verbesserung im Miteinander der verschiedenen Nationalitäten im Stadtteil Eving herbeizuführen. In diesem vom Bergbau geprägten Stadtteil leben seit den 1960er Jahren viele Arbeiter aus Italien, Griechenland, dem ehemaligen Jugoslawien und vor allem aus der Türkei. Der Verein mietete 1978 ein Ladenlokal an – das sog. Begegnungszentrum oder auch „Treffpunkt Eving“ (siehe Abb. 1) – und versuchte dort u.a. mit finanzieller und personeller Hilfe von Seiten der kirchlichen Erwachsenenbildung, der Gemeindebezogenen Sozialarbeit und der örtlichen Kirchengemeinde v.a. in Person von Pfarrer Bernd Süselbeck auf die Bedürfnisse und Nöte der ausländischen Familien einzugehen und Vorurteile und Aggressionen der deutschen Bewohner gegen die türkischen Nachbarn abzubauen. Man veranstaltete Seminare, Straßenfeste und setzte sich mit ausländerrechtlichen und politischen Fragen auseinander. Es wurden Näh- und Alphabetisierungskurse, Hausaufgabenbetreuung und Spielabende angeboten. Seit 1985 wurde eine hauptamtliche Diplom-Sozialpädagogin beschäftigt. Aufgrund von sinkenden Mitgliederzahlen beschloss die Mitgliederversammlung des Vereins für internationale Zusammenarbeit 1991 den Verein zum 31. März 1992 aufzulösen und seine Arbeit weitestgehend einzustellen.
Im Landeskirchlichen Archiv wird der Bestand „Ausländerarbeit in Eving“ unter der Bestandsnummer 13.58 verwahrt. Er umfasst die Aktenüberlieferung des Vereins für internationale Zusammenarbeit aber auch darüber hinausgehende Unterlagen, die aus den Ämtern Pfarrer Süselbecks (beispielsweise als Islambeauftragter des Kirchenkreises) und seiner Gremienarbeit hervorgegangen sind sowie zahlreiche Fotos, die die Arbeit des Vereins dokumentieren. Die Akten stammen aus dem Zeitraum von 1972-1992 und unterliegen damit größtenteils noch den allgemeinen Sperrfristen. Sehr umfangreich und für die Benutzung zugänglich ist jedoch die Sammlung von Büchern, Zeitschriften und Informationsmaterialien, die der Verein für seine Arbeit im Begegnungszentrum angelegt und verwendet hat, und die ebenfalls im Bestand 13.58 enthalten ist.

Treffpunkt Eving

Abb. 1: Begegnungszentrum in Eving ("Treffpunkt Eving"), Deutsche Str. 59

Sammlung von Büchern, Zeitschriften und Informationsmaterial

Abb. 2: Ein Teil der Sammlung von Büchern, Zeitschriften und Informationsmaterial

Erste Seite der Satzung des Vereins für internationale Zusammenarbeit vom 10. Mai 1978

Abb. 3: Erste Seite der Satzung des Vereins für internationale Zusammenarbeit vom 10. Mai 1978.

Quellen: „Ausländerarbeit. Bericht über das Projekt „Siedlungs- und stadtteilorientierte Ausländerarbeit“ in der Zeit vom 01. August 1985 bis 30. Juli 1987“, 1989; LkA EKvW Best. 13.58 Nr. 2.


Französische Emigranten in Westfalen 1792-1802
Nach dem Scheitern der österreich-preußischen Invasion in Frankreich 1792 sahen sich die preußischen Gebiete in Westfalen einem verstärkten Zustrom französischer Emigranten ausgesetzt. Es war das Anliegen der preußischen Politik, die emigrierten Franzosen möglichst aus dem Lande fernzuhalten. Ausnahmen waren hier die wohlhabenden bzw. die handwerklich gut ausgebildeten Personen, die für das Land von Nutzen sein konnten. Insgesamt fand eine nicht geringe Zahl französischer Emigranten Aufnahme in Westfalen, auch im Minden-Ravensberger Raum. In Bielefeld und Umgebung fanden vor allem Leineweber Unterkunft und Arbeit.

In den Quellen aus den verschiedenen westfälischen Aufnahmeregionen hat sich die Situation vor Ort niedergeschlagen, und dies findet sich auch in der kirchlichen Aktenüberlieferung wieder, zumal Preußen vor allem protestantische Emigranten aufnahm, die katholischen hingegen den benachbarten Bistümern zuwies.


Hollandgänger (19. Jahrhundert)
Nach der Etablierung der Inneren Mission Mitte des 19. Jahrhunderts intensivierte die Kirche ihre Bemühungen um die regelmäßige Betreuung der Hollandgänger. Bei den deutschen Hollandgängern handelte es sich um Wanderarbeiter, die zu Tausenden für einige Monate des Jahres in den Niederlanden Arbeit suchten. Ursache für die Arbeiterwanderung, die ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert erreicht hatte, war das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Niederlanden und den angrenzenden nordwest-deutschen Gebieten.

Materialien finden sich vor allem zur Seelsorge an den Hollandgängern und zur damaligen sozialen und wirtschaftlichen Situation in den westfälischen Gemeinden.


Mission
Als Folge der Erweckungsbewegung, u.a. im Ravensberger Gebiet, erlebte der Missionarsberuf im 19. Jahrhundert regen Zulauf. – Auf Nias – einer Sumatra vorgelagerten Insel – trieben Rheinische Missionare bereits seit etwa 1865 Missionsarbeit. 1901 nahm hier Heinrich Rabeneck aus Hiddenhausen, der spätere Präses der Nias-Mission, seine Tätigkeit auf. Aufgaben und Arbeitsweisen der Mission, die sich von den heutigen allerdings gründlich unterscheiden, lassen sich an seinem Wirken aufzeigen, wie auch an anderen Beispielen, dem Evangelium in der Welt neue Türen aufzuschließen.

Neben dem Depositum der Kirchengemeinden Hiddenhausen (zu Nias) lagern im Landeskirchlichen Archiv weitere Materialien z.B. auch Unterlagen zu dem Missionar Johannes Olpp.


Gründungen von Kirchengemeinden aufgrund des Zuzugs evangelischer Arbeiter im Industrie- und Kohlerevier
Im Zuge der Ausweitung des Bergbaus und dem Abteufen immer neuer Zechen kam es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer verstärkten Zuwanderung evangelischer Arbeiter in katholisch geprägte Gegenden Westfalens. Nach und nach gründeten sich mit dem Wachsen der Werkssiedlungen fortan auch evangelische Kirchengemeinden durch Abpfarrung von den zu groß gewordenen Mutterkirchen, die die seelsorgerliche Betreuung aller Gemeindeglieder nicht mehr gewährleisten konnten.

Beispiele: Kirchengemeinde Huckarde; Kirchengemeinde Heessen


Evangelische Masuren im rheinisch-westfälischen Industriegebiet
Etwa 120.000 polnisch-sprechende evangelische Masuren, die aus dem Süden Ostpreußens stammten, lebten um 1910 im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Als besondere Gefährdungen dieser Volksgruppe betrachtete man damals die „Lockungen“ des Polentums, der Sozialdemokratie und der Sekten, hinzu zählte man die Gefahren der Trunksucht, der Verwahrlosung und der Gottentfremdung – nicht nur letzteres ein Aufgabenfeld für die evangelische Kirche.

Beispiele: Kirchengemeinde Lütgendortmund; Kirchengemeinde Buer-Erle.


Emigration und Flucht deutscher Juden 1933-1941
Bis zum Emigrationsverbot am 23.10.1941 war die Austreibung der deutschen Juden, die sich mehrheitlich als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“ verstanden, Ziel aller – von der Gesetzgebung bis zum offenen Terror reichenden – antijüdischen Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung. Diese Menschen verließen ihre Heimat als „rassisch“ Verfolgte, aber teilweise auch als politische Gegner des Nationalsozialismus.

Insbesondere in der „Sammlung Wilhelm Niemöller“ (Bestand 5.1) findet sich Schriftgut zur jüdischen Emigration.


Hilfe an Flüchtlingen und Vertriebenen im Zuge des Zweiten Weltkriegs
Die kirchlich geprägte Flüchtlingsaufnahme und Flüchtlingsfürsorge hatte es in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Massenphänomen zu tun. Teilweise gab es in westfälischen Regionen bis zu zwei Drittel Flüchtlinge unter den Einwohnern. Der Begriff „Flüchtling“ wurden meist umfassend gebraucht, d.h. für „Vertriebene“ aus den besetzten deutschen Ostgebieten ebenso wie für „Kriegsheimkehrer“ oder die sog. „Displaced Persons“ (DPs), die als heimatlose Ausländer einen akuten Problemfall der Flüchtlingsfürsorge darstellten. – Die Kirche engagierte sich angesichts der Notstände karitativ im Rahmen der Inneren Mission, und zwar vor allem über die Bahnhofsmission und das Evangelische Hilfswerk von Westfalen.

Die Quellen geben Auskunft über die Situation und Notstände (Versorgung, Arbeit, Unterkunft) sowie Integrationsbemühungen in einzelnen Kirchengemeinden wie auch über die Gesamtlage nach dem Kriege. Material findet sich zum den Aspekten Kriegsgefangenenseelsorge, Heimkehrerbetreuung, Unterbringung, Seelsorge, Spenden, Ansiedlung, Schulfragen und Integrationsangebote für Flüchtlinge und Vertriebene, sowie zur ostwestfälischen Flüchtlingsstadt Espelkamp. – Größere Archivalienbestände befinden sich zudem im Hauptarchiv der Betheler Anstalten (Bielefeld) sowie im Archiv des Diakonischen Werkes von Westfalen in Münster.


Betreuung von Ausländern, Aussiedlern und Asylsuchenden
Durch Kriege und Bürgerkriege sind auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder Menschen gezwungen gewesen ihre Heimat zu verlassen und in anderen Ländern Asyl zu suchen. Unter anderem Beratungsstellen des Diakonischen Werkes nahmen und nehmen sich dieser Menschen an, leisten Beratung bei Asylverfahren und Behördengängen, helfen bei der Suche nach deutschen Gastfamilien und Unterkunft und kümmern sich um Aus- und Fortbildung. – Zahlenmäßig weit größer als der Flüchtlingsanteil unter den Ausländern in Deutschland ist allerdings die Gruppe der sog. „Gastarbeiter“, die vor allem seit den 1960er Jahren von der deutschen Wirtschaft und dem Staat zur Arbeit in Deutschland angeworben worden sind. Nicht nur um die Betreuung der ersten Generation der Gastarbeiter aus Griechenland, der Türkei oder Italien kümmerten sich kirchlich-diakonische Einrichtungen vor Ort, sondern auch um die Integration der Kinder und Kindeskinder von Ausländern. Hilfe zur Integration benötigten ebenso die Aussiedlerfamilien, die beispielsweise aus Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion kamen und die ihr Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit wahrnahmen und in Deutschland Heimat und Arbeit suchten.

Die Quellen zu diesen Themenbereichen handeln u.a. von Beratung, Wohnraumbeschaffung, Seelsorge, Hausaufgabenhilfe, Ausbildungs- und Studienbeihilfen, Eheschließungen, Sprachkurse und Patenschaften in einzelnen Kirchenkreisen und Kirchengemeinden.

[zurück]