Archiv und Historische Sammlung des Ev. Johanneswerkes e.V.
Materialsammlung zum Thema "Heimat und Fremde"

Flüchtlinge im Sozialwerk Stukenbrock
Von 1948 bis 1970 kamen Tausende von Flüchtlingen, Vertriebenen und Spätaussiedlern im Sozialwerk Stukenbrock an. Viele gehörten zur Gruppe der „doppelten Migranten“, die 1944 vor der russischen Armee in die Gebiete zwischen Oder und Elbe geflohen waren, und diese zweite Heimat nach der Gründung der DDR wieder verließen, um in die Bundesrepublik zu gehen.


Berglehrlinge im Ruhrgebiet
Den großen Zechengesellschaften des Ruhrgebiets fehlte in den 1950er Jahren der Nachwuchs. Gezielt warben sie z.B. in Schleswig-Holstein und Niedersachsen um Auszubildende. In diesen Bundesländern lebten viele jugendliche Flüchtlinge, die dort kaum Ausbildungsmöglichkeiten hatten. Das Ev. Johanneswerk betrieb in dieser Zeit zahlreiche Wohnheime für Berglehrlinge, die den Jugendlichen, die ihre ursprüngliche Heimat schon früh verlassen mussten, nun ein Zuhause bieten wollten.

Bärbel Thau: „...Jugend ohne Geborgenheit“ – Diakonische Jugendhilfe in der Nachkriegszeit am Beispiel des Evangelischen Johanneswerkes, in: Hans Bachmann/Reinhard van Spankeren (Hg.), Diakonie: Geschichte von unten. Christliche Nächstenliebe und kirchliche Sozialarbeit in Westfalen, Bielefeld 1995, S. 347-367.


Gastarbeiter im Ruhrgebiet
In den Berglehrlingsheimen des Ev. Johanneswerks lebten in den 1960er Jahren Gastarbeiter aus der Türkei, aus Griechenland, Marokko und Japan. Die Hauseltern mussten sich auf andere Religionen und Kulturen einstellen, andere Ernährungsweisen und Alltagsgebräuche berücksichtigen.


Koreanische Krankenschwestern
In den 1960er Jahren beantragte das Ev. Johanneswerk in einer Zeit großen Personalmangels die Zuweisung von koreanischen Krankenschwestern für die Krankenhäuser in Bielefeld und Wanne-Eickel. Die Schwestern verpflichteten sich, für vier Jahre fern ihrer Heimat kranke Menschen zu pflegen. 


Griechenbetreuung
1963 eröffnete der Ev. Gemeindedienst in Bielefeld ein Betreuungszentrum für griechische Gastarbeiter. Es diente auch als Treffpunkt für die Griechen, die dort ihre Kultur pflegen und heimische Feste feiern konnten.


„Verdrängte Oberschüler“
Als „verdrängte Oberschüler“ wurden Jugendliche bezeichnet, die im „Arbeiter- und Bauernstaat“ DDR keine weiterführende Schule oder Universität besuchen durften, und deshalb in den Westen kamen. Das Ev. Johanneswerk gründete 1955 ein Wohnheim in Münster für jugendliche Flüchtlinge, die an besonderen Förderkursen und Ergänzungslehrgängen teilnahmen. Ziel war die Eingliederung in das westdeutsche Bildungssystem.

Johann-Friedrich Moes und Erhard Holze: Unterricht und Unterkunft für Schüler aus der SBZ/DDR in Münster. Notizen zu einem Kapitel deutscher Zeit-, Schul- und Kirchengeschichte, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 100/2005, S. 587-596.


Bahnhofsmission in Bielefeld

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Bielefeld, wahrscheinlich von evangelischen sozial engagierten Frauen, die Bahnhofsmission gegründet, die heute zum Ev. Gemeindedienst gehört. Anfangs betreute die Bahnhofsmission arbeitssuchende Mädchen und junge Frauen, die aus ländlichen Gegenden in die Industriestadt Bielefeld kamen. Später kümmerten die Helferinnen und Helfer sich um alle reisenden Menschen, die Unterstützung brauchten. In den Nachkriegsjahren waren es durchreisende Flüchtlinge, die in großer Zahl den Bahnhof bevölkerten. In den 1960er und 70er Jahren wurden z.B. Gastarbeiter und DDR-Rentner, die besuchsweise in den Westen durften, besonders von der Bahnhofsmission betreut.

Menschen unterwegs. 100 Jahre Bahnhofsmission in Bielefeld 1899-1999, hrsg. vom Ev. Johanneswerk e.V., Bielefeld 1999.