Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Materialsammlung zum Thema "Heimat und Fremde"
Geht uns der heimatlose Fremdling gar nichts an?

Die Beckhofsiedlung – Heimat für „heimatlose Ausländer“ (Internetpräsentation)
Am Ende des Zweiten Weltkriegs lebten fast neun Millionen so genannte "Displaced Persons" (DPs) auf dem Gebiet des untergegangenen Deutschen Reiches. Sie kamen vor allem aus Ost- und Südosteuropa. Die meisten dieser heimatlosen Ausländer wurden bis 1949 in ihre Heimatländer repatriiert. Zahlreiche Alte und Kranke blieben hingegen in der Bundesrepublik. Ihre Lebensbedingungen waren teilweise katastrophal. Die v. Bodelschwinghschen Anstalten begannen ab 1953 im lippischen Augustdorf mit Hilfsangeboten für die Heimatlosen Ausländer, bevor das Betheler Engagement 1958 in die Gründung der Beckhofsiedlung mündete. Hier, am Rand der damaligen Gemeinde Senne II, lebten bald Angehörige von bis zu dreizehn europäischen Nationen zusammen.
www.hauptarchiv-bethel.de/beckhof


Missionsstation Hohenfriedeberg, um 1900Bethel in Ostafrika
Seit 1890 engagierte sich Friedrich von Bodelschwingh in der „Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika“ (EMODA). Von 1906 bis 1971 hatte die Missionsgesellschaft ihren Sitz in Bethel und änderte später auch ihren Namen in Bethel-Mission. In Ostafrika wurden u.a. Krankenhäuser, Schulen und Waisenhäuser errichtet. Auch um behinderte Menschen und Menschen mit Epilepsie kümmerte sich die Bethel-Mission. Zahlreiche Theologen, Diakone und Diakonissen machten sich zum Missionsdienst nach Ostafrika auf den Weg. 

Die Quellen geben einen guten Einblick in die verschiedenen Missionsaktivitäten in Ostafrika, besonders Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts. Es lässt sich herausarbeiten, mit welchem Missionskonzept vorgegangen wurde. Sowohl die theologischen, pädagogischen und medizinischen Motive werden deutlich. Auch der Frage, wie Kultur und Religion der Afrikaner von den deutschen Missionaren wahrgenommen und verändert wurden, lässt sich nachgehen. 
www.bethel-historisch.de


Schwester Lina Diekmann mit Fatuma, ca. 1892Heimat für afrikanische Kinder in Bethel?
Fatuma, Ali, Madjesebuni und Sudi waren Kinder aus Ostafrika. Sie lebten in den 1890iger Jahren in Bethel, wurden hier getauft, bekamen deutsche Namen und lernten die deutsche Sprache. Doch Fatuma und Ali starben schon nach wenigen Jahren in Bethel. Madjesebuni und Sudi kehrten zwar in ihre eigentliche Heimat zurück, konnten aber nach den Jahren in fremder Umgebung nicht mehr in das afrikanische Leben zurückfinden. 

Die Quellen geben einen Einblick in das Leben der Kinder in Bethel und die Probleme zweier Kulturen und Religionen. Besonders wird die Einstellung Bodelschwinghs und der Bethel-Mission zur christlichen Missionsarbeit und Kolonialpolitik deutlich. Zudem lassen sich deutsche Vorstellungen zur afrikanischen Religion, Kultur und Lebensweise Ende des 19. Jahrhunderts rekonstruieren.
www.bethel-historisch.de


Der „grüne Hügel“ im Ortsteil La Villette in ParisAls Deutsche in Paris
Friedrich von Bodelschwingh zog es 1857 nach Paris. Dort baute er im Pariser Vorort La Villette eine deutsche Gemeinde auf. Mehrere Arbeiterhäuser, Schule, Kirche und Lehrerwohnung entstanden. Hintergrund war, dass sich Mitte des 19. Jahrhunderts einige tausend verarmte Familien, vor allem aus der Pfalz und aus Hessen, in Paris niedergelassen hatten. Sie arbeiteten als Gassenkehrer, Lumpensammler oder Fabrikarbeiter; junge Mädchen verdingten sich als Dienstmägde. Die Verhältnisse in den Elendsvierteln, in denen sie lebten, waren undenkbar schlecht. Friedrich von Bodelschwingh hielt deutschsprachige Gottesdienste, unterrichtete die Kinder und betätigte sich in der Krankenhausseelsorge. Bis er und seine Frau Ida 1864 wieder nach Deutschland zogen. 

Das Quellenmaterial aus der ‚Vor-Bethelzeit’ Bodelschwinghs gibt Einblick in die Lebenssituation der deutschen Migranten. Aufgezeigt werden die Wohnverhältnisse, die Arbeitsbedingungen und das Problem der Kinderarbeit. Auch die Gründe für die Auswanderung werden aus der Sicht Bodelschwinghs beschrieben. Ein weiterer Punkt ist die Frage nach der (gelungenen?) Integration der Deutschen in Paris. 

Hans-Walter Schmuhl: Friedrich von Bodelschwingh, Hamburg 2005.


Wolgadeutsche vor der Zionskirche, 1922Wolgakinder in Bethel
Am 27. April 1922 trafen die ersten Kinder aus der Wolgaregion in Bethel ein. Anfang der 1920iger Jahre herrschte im Gebiet der Wolgarepublik in Russland eine große Hungersnot, die den dort lebenden Menschen Krankheit und Tod brachte. Zahlreiche deutschstämmige und deutschsprachige Waisen und Halbwaisen wurden nach Deutschland gebracht, um ihnen eine neue Heimat zu geben. Auch die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel war in die Hilfsmaßnahmen für die Wolgadeutschen eingebunden. 

Gut lesbare Quellen geben Auskunft über die Lebensbedingungen der Flüchtlingskinder. Es wird deutlich, wie sich die Kinder in ihrer neuen Heimat zurechtfanden und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten. Zudem wird die Verbundenheit untereinander auf ihrem weiteren Lebensweg sichtbar.
www.hauptarchiv-bethel.de/veroeffentlichungen.html

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